“Das ist nur eine Phase!” ­— Bisexual Erasure in „Orange Is The New Black“

 

Orange Is The New Black ist eine brillante Serie, die ursprünglich von Netflix seit 2013 produziert wird. Piper Chapman, die Hauptfigur der Serie, ist eine bisexuelle Frau. Trotzdem ist das Wort „bisexuell“ in der Serie kaum zu hören, nicht einmal von der Figur selbst.

von Thi Nhu Anh Dang

 

Orange Is the New Black erzählt die Geschichte einer weißen Frau namens Piper Chapman, die wegen Drogenhandels in ihrer Vergangenheit zu einem Frauengefängnis verurteilt wurde. Die Serie folgt ihrer Anpassung an das Gefängnisleben und die Beziehung zwischen den Frauen im Litchfield. Obwohl die Serie eine Vielzahl von Rassen, Ethnien, sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten repräsentieren kann, hat sie auch viel Kritik bezüglich Thema Bisexual Erasure, da Piper immer noch mit bisexuellen Stereotypen dargestellt wird und die Serie weigert sich, „das B-Wort“ zu wervenden.

 

Bisexuelle Darstellungen und Stereotypen

Pipers Sexualität ist weitgehend repräsentativ dafür, wie Bisexuelle in Bezug auf ihre sexuelle Orientierung oft als verwirrt dargestellt werden. Ihre Sexualität wird durch das Publikum definiert, da sie einen heterosexuelle Verlobter – Larry Bloom – und eine lesbische Ex-Freundin namens Alex Vause hat. Ihre Beziehung mit Alex ist auch der Grund, warum sie im Gefängnis ist. Mehrmals in dem ersten Staffeln wird Piper als eine „formelle Lesbe“ bezeichnet und sie selbst zugibt, dass sie nur „damals“ lesbisch war aber jetzt ist sie nicht mehr. Diese Repräsentation löschte die Möglichkeit aus, dass Piper bisexuell ist. Dies ist eines der Stereotypen von Bisexualität. Die selbst als bisexuell identifizierte Menschen werden oft als verwirrend gedacht und hören oft solche Sätze wie „Das ist nur eine Phase!“ oder „Du müsst eine Seite wählen“.

Orange Is the New Black stellt das Bild der stereotypischen bisexuellen Charaktere dar, was implizit das binäre System aufrechterhält ­– Menschen werden als entweder heterosexuell oder schwul kategorisiert, ohne die Möglichkeit inzwischen diesem Spektrum zu fallen. Pipers Sexualität ist jedoch keine Phase. Sie ist zurück im Gefängnis mit Alex wieder zusammen während ihrer Beziehung mit Larry, was zum Ende ihrer Beziehung mit ihm führt. Man kann sehen, dass Piper sich immer nicht zwischen Larry und Alex entscheiden kann und sie versucht die zwei zu manipulieren. Diese Darstellung von Piper perpetuiert das Stereotyp, dass die Bisexuelle nicht mit einem Partner oder mit einem Geschlecht zufrieden sein können – sie sind unfähig zur Monogamie. Piper ­– als eine bisexuelle Frau – wird als egoistisch und unwillig, sich auf einen einzigen Partner festzulegen gesehen.

 

Das B-Wort

Orange Is the New Black hat nicht bis zum 2. Staffel Pipers Sexualität angesprochen und ließ die Zuschauer selbst die Schlussfolgerung ziehen, weshalb die Mitglieder der LGBTQ Gemeinschaft oft sagen: „Sag das Wort!“. Das Wort „bi“ wird auch nur einmal erwähnt, wobei Larry mit seinem Vater über Piper spricht: „I mean, she was not a lesbian anymore, not with me, you know? Then she’s in prison, what, a few weeks? Bam! A lesbian again. Or bi? I don’t even know“.  Seine Verwirrung zeigt sich darin, dass er nicht weiß, welches Label er an Piper anbringen soll. Es scheint, dass seine Unfähigkeit, Piper in zwei der für ihn existierenden Kategorien, entweder heterosexuell oder homosexuell, zu integrieren, ihm sehr verwirrend ist.

Es gibt so viele Momente in der Serie, wenn der Begriff fast ausgesprochen wird, ist aber nicht passiert. Wiederholt wird Piper die Gelegenheit gegeben, ihre sexuelle Identität zu identifizieren, aber jedes Mal lässt sie die Gelegenheit verstreichen. Als Larry fragt, warum Piper zurückhalten würde, dass Alex auch in Litchfield ist, behauptet Polly (eine Freundin), dass Larry befürchtet, Piper werde „turn gay again“. Piper antwortet: „You don’t turn gay. You fall on a spectrum somewhere. Like the Kinsey Scale“. Kinsey Skala ist eine 7-Punkte Skala von Kinsey in der 50er entwickelt, um das Kontinuum der Sexualität empirisch zu erfassen. Obwohl Piper das Wort „bisexuell“ nicht benutzt, verteidigt sie ihre Position gegen das binäre Entweder-Oder-System, in dem man entweder homosexuell oder heterosexuell ist.

Als Piper sich verzichtet, ihre sexuelle Identität zu behaupten, wird sie von den anderen identifiziert. Die Lesben in der Serie weisen auch darauf hin, dass sie Entweder-Oder sein muss. Irgendwann sagt Alex zu Piper: „I should have known not to date a straight girl“, was wird als sehr problematisch kritisiert, weil Alex auch zu der LGBTQ-Community gehört. Diese Szene reflektiert sich, dass Bisexual-Erasure sogar in der LGBTQ Gemeinschaft existiert.

 

Bisexual Erasure and Monosexism

Mit Bisexual Erasure verstärken die Medien das heterosexuelle/homosexuelle Binary. Die Charaktere, die sexuelle oder romantische Anziehung zu mehr als einem Geschlecht zeigen, aber nicht selbst als bisexuell würden implizit behaupten, dass Bisexualität keine wirkliche Identität ist.

Maria San Filippo (2013) behauptet, dass Bisexualität von Heterosexuellen und Homosexuellen gleichermaßen unsichtbar gemacht wird, weil sie ihre monosexistischen Annahmen bedroht ­– dass Sexualität nicht fixiert und stabil, sondern fließend ist. Diese These ist auch unterstützt von Schroth & Mitchell (2009:298): “Bisexuality is fundamentally unsettling to the hegemonic institution of heterosexuality and its queer counterpoint, homosexuality, and is therefore ultimately ignored by both”.

Monosexismus ist ein führender Beitrag zum Thema Bisexual-Erasure in der zeitgenössischen Kultur. Wenn man Sexualität als ein binäres System anstatt als ein Kontinuum des Begehrens sehen, lässt die komplexe und fließende Natur der Sexualität nicht erkennen. Laut GLAAD, monosexistische Haltung führt zu zahlreichen sozialen, mentalen und psychologischen Problemen für Menschen, die sich als bisexuell identifizieren. Bisexual-Erasure durch die größere Gemeinschaft hat sehr reale Auswirkungen auf diejenigen, die sich als bisexuell identifizieren. Sie würden deswegen Schwierigkeiten haben, eigene Identität zu akzeptieren.

 

Abschließend, obwohl Orange Is the New Black ist eine wunderbare Serie, in der das Konzept von Gender Fluid fördert wird ­– es gibt die Grauzone und Menschen können sich überall innerhalb dieses Spektrums befinden – Bisexualität ist immer noch unterrepräsentiert und ihrer Darstellung ist eher stereotypisch, was kann zu dem Problem von Bisexual-Erasure beitragen. Da der Buchstabe B ebenso wichtig ist wie L, G und T, „The B word“ ist noch laut und stolz zu sagen.

 

 

Quellen

Erickson-Schroth, L. & Mitchell, J. (2009): Queering Queer Theory, or Why Bisexuality Matters, Journal of Bisexuality, 9:3-4, 297-315

Ferguson, M. (2016): Why OITNB Refuses to Say the Word “Bisexual”

Filippo, M. S. (2013): The B Word, Bisexuality in Contemporary Film and Telovision, Indiana University Press

King-Miller, L. (2014): Will “Orange Is the New Black” Finally Acknowledge Bisexuality?

Lancho, M. C. (2015): Contribution to Bisexual Erasure: The (Mis)representations of bisexuality in Netfilx’s Orange is The New Black and BBC’s Tourchwood.

McGowan, R. (2015): Spotlighting mental heath, stats, and intersecting identities this #BiHealthMonth

Schweizer, K. und Brunner, F. (2013): Sexuelle Orientierungen.

 

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